Rezension „Arkadien erwacht“ von Kai Meyer

Inhalt
Schon bei ihrer Ankunft auf Sizilien fühlt sich Rosa wie in einem alten Film – der Chauffeur am Flughafen, der heruntergekommene Palazzo ihrer Tante und dann die Gerüchte um zwei Mafiaclans, die seit Generationen erbittert gegeneinander kämpfen: die Alcantaras und die Carnevares, Rosas und Alessandros Familien. Trotzdem trifft sich Rosa weiterhin mit Alessandro. Seine kühle Anmut, seine animalische Eleganz faszinieren und verunsichern sie gleichermaßen. Doch in ihm ruht ein unheimliches Erbe, das nicht menschlich ist.

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Nachdem mich die Beschreibung des Buches ein wenig abgeschreckt hat, habe ich es lange unberührt auf meinem SUB liegen gehabt. Mafia? Klingt mir eher nach Krimi. Irgendwann jedoch dachte ich mir, dass es ja einen Grund geben muss, dass es bei den Hitlisten so weit oben liegt. Jetzt weiß ich es.
Kai Meyer hat es geschafft, eine wunderbare Geschichte auf die Beine zu stellen – wobei der Schauplatz eine nicht geringe Rolle spielt. Sizilien ist ein traumhafter Ort, aber wir reden nicht von dem Sizilien, das die Urlauber lieben. Nachdem ich auch die beiden folgenden Bände gelesen habe, habe ich das Gefühl, die gesamte Insel mit all ihren magischen Orten zu kennen und würde am liebsten sofort dort hinreisen. Er beschreibt einsame, verlassene und teils verwahrloste Orte, Monumente, grüne Täler und steinige, vertrocknete Berghänge, die ihren ganz eigenen Zauber haben. Man hat das Gefühl, der Autor habe sein halbes Leben auf Sizilien verbracht.
Ich möchte kurz einen Teil aus seinem Lebenslauf zitieren:
„Er gilt als ein Vertreter des magischen Realismus – in seinen Büchern verbinden sich historische Ereignisse und Personen mit Elementen aus dem Bereich der Sagen und Mythen“

Das trifft es ziemlich genau. Hier treffen gut recherchierte Hintergründe und Schauplätze auf die Fantasie des Autors – und heraus kam eine spannende Trilogie, die nicht mit Intrigen, Geheimnissen und Überraschungen geizt. An manchen Stellen war es etwas vorhersehbar, dann wiederum war ich vollkommen überrumpelt. Die Zusammenhänge der Handlungen, der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht – alles fügt sich am Ende zu einem fantastischen Finale zusammen. Oftmals hätte ich auch nicht mit der Skrupellosigkeit einiger Charaktere gerechnet, den Lügen, mit denen sie sich andere gefügig machen… ich möchte nicht zu viel verraten, aber ihr könnt euch sicher vorstellen, dass es bei der Mafia nicht zimperlich zugeht.

Das i-Tüpfelchen sind dann aber die Hauptcharaktere, insbesondere Rosa. Sie ist arrogant, schnippisch und so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass sie vollkommen gleichgültig durch die Welt spaziert, eine Mauer um sich herum gezogen hat und ihren Kontrollzwang unter anderem mit Kleptomanie zur Schau stellt. Trotzdem ist sie von Anfang an sympathisch und macht im Laufe der Geschichte eine wahnsinnige Entwicklung mit.
Allessandro ist im Prinzip das genaue Gegenteil von ihr, er ist offen und steht zu seiner Herkunft, hat sich das Ziel gesetzt, seinen Clan anzuführen und ist in der skrupellosen Welt aufgewachsen, die für Rosa vollkommen neu ist. Trotz ihrer Gegensätze finden sie zueinander und stellen sich gegen alles, was ihre Liebe zu vernichten droht. Klare Leseempfehlung!