Rezension „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer

Ich habe mir am Wochenende eine kleine Fantasy-Auszeit gegönnt und bin dabei auf den Roman von Daniel Glattauer „Gut gegen Nordwind“ gestoßen. Ich wollte ein schnelles Buch für zwischendurch und hatte gleich einen Glücksgriff.
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Inhalt

Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Meinung

Ich habe das Buch an einem Tag verschlungen, was nicht zuletzt an dem gewöhnungsbedürftigen Aufbau des Werkes lag. Denn dieses besteht lediglich aus einer Auflistung von E-Mails, es gibt nur den Dialog zwischen Emmi und Leo, keine direkte, erzählende Handlung, was das Ganze sehr kurzweilig werden lässt.
Trotzdem liest es sich wie eine flüssige Geschichte, der rote Faden bleibt bestehen und die Spannung wird mit jeder Mail mehr aufgebaut. Alles dreht sich um die Frage: werden die beiden sich am Ende treffen? Wird diese Nähe, die Intimität und das Vertrauen, dass sie lediglich durch den Schriftverkehr aufgebaut haben, auch bei einer direkten Zusammenkunft bestehen bleiben? Haben die beiden eine gemeinsame Zukunft? Bis zum Schluss habe ich mitgezittert und mitgefühlt, selbst jetzt noch bin ich aufgewühlt, wenn ich an die aufkeimenden Gefühle der beiden denke. Fast schon verzweifelt versuchen sie, mehr über den jeweils anderen zu erfahren und trotzdem die notwendige Distanz zu wahren, die den Zauber aufrecht erhalten lässt. Man wird Zeuge von Unsicherheit, Trotz und Verletzbarkeit, aber auch Witz erfüllt die Seiten des Werkes.

Herausragend ausgearbeitet sind die beiden Charaktere, im Vordergrund stehen das Gefühlsleben und die intimsten Gedanken der beiden, das Aussehen spielt kaum eine Rolle. Immer wieder kommen die Unterschiede zwischen Mann und Frau zu Tage, und trotzdem widerlegen die beiden regelmäßig das typische Geschlechter-Klischee und springen aus der Schublade, in die sie den jeweils anderen automatisch zu stecken versuchen.
Und dann plötzlich kommt das Ende. Ich werde nicht verraten, wie es ausgeht, aber wer vorhat, das Buch zu lesen und sich voll und ganz überraschen zu lassen, sollte jetzt nicht weiterlesen.
Das Ende kam so plötzlich, dass mir förmlich die Kinnlade herunter fiel und noch jetzt denke ich: Was? Das kann doch jetzt nicht vorbei sein! Denn die letzten Zeilen sind es, die das Buch so dramatisch und aufwühlend werden lassen… Ich war regelrecht bestürzt, dass es jetzt tatsächlich nicht weitergehen soll. Auf jeden Fall gibt es für dieses kurzweilige und unterhaltsame Werk die volle Punktzahl von mir!

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